Aktuell führe ich für eine Eigentümerin die Ankaufsprüfung für eine Wohnanlage aus mehreren zusammenhängenden Mehrfamilienhäusern durch.
Beheizt wird die Anlage über zwei zentrale Gasbrennwertanlagen, beide erst vor Kurzem neu eingebaut. Trotzdem weist der Energieausweis eine schlechte Effizienzklasse aus. Moderne Anlagentechnik und dennoch ein schlechter Energieausweis, da muss man genauer hinschauen.
Was ich jetzt prüfe
Ein Energieausweis rechnet den Energiebedarf eines Gebäudes aus zwei Größen zusammen, dem Wärmeverlust über Dach, Außenwände und Bodenplatte, und dem Wirkungsgrad der Anlagentechnik, die diesen Verlust ausgleichen muss.
Je schlechter die Dämmung dieser Bauteile, desto mehr Wärme muss die Heizung nachliefern, unabhängig davon, wie effizient sie selbst arbeitet. Eine neue Gasbrennwertanlage verbessert deshalb ausschließlich die Erzeugerseite. Der bauliche Zustand der Hülle bleibt davon unberührt und schlägt sich unverändert im Gesamtergebnis nieder.
Um zu klären, wie es zu diesem schlechten Ergebnis kommt, lasse ich mir neben dem Ausweis die Ausführungsplanungen des Gebäudes geben, den genauen Wandaufbau, den Dachaufbau und den Aufbau der Bodenplatte. Daraus berechne ich die tatsächlichen Dämmwerte der Bauteile, statt die pauschale Einstufung aus dem Ausweis einfach zu übernehmen.
Zusätzlich fordere ich die Heizkostenabrechnungen der letzten drei Jahre an, um die rechnerischen Werte mit dem tatsächlichen Verbrauch abzugleichen. Zeigt sich dabei ein Sanierungsbedarf an der Dachfläche oder an den Außenwänden, rechne ich mit 350 bis 400 Euro pro Quadratmeter für die Dachdämmung und rund 200 Euro pro Quadratmeter für die Fassadendämmung, multipliziert mit der jeweiligen tatsächlichen Fläche aus der Ausführungsplanung.
Die errechneten Kosten für die energetische Sanierung müssen im Kaufpreisangebot eingepreist werden.


